Lyriost – Madentiraden

22.11.2016 um 15:01 Uhr

Achtung

von: Lyriost

Achtung

Respektlosigkeit gegenüber aufgeblasenen Autoritäten ist eine gute Sache und bisweilen ein Zeichen von Mut und Selbstsicherheit, im Gespräch unter Gleichen ist eine solche Haltung dagegen vor allem ein Zeichen von Schwäche und Mangel an Selbstbewußtsein. Es sei denn, man reagiert mit Respektlosigkeit auf die verächtliche Diktion eines anderen. Das ist zwar nicht klug, aber verständlich.

17.11.2016 um 09:15 Uhr

Sein und Werden

von: Lyriost

Sein und Werden

Alles Werden lenkt ab vom Sein.  

16.11.2016 um 09:51 Uhr

Zukunftsgewiß – Tirade 227

von: Lyriost

Zukunftsgewiß – Tirade 227

Vor uns leerer Raum
in den wir hineingleiten
mit blinden Augen

wie Gestirne im Weltall
morgen werden wir fort sein

15.11.2016 um 18:41 Uhr

Postfaktisch

von: Lyriost

Postfaktisch

Diese schwachsinnige Gerede vom "Postfaktischen". Was soll das? Jeder zweite Gartenzwerg mit Intellektuellenbrille wirft den Begriff ins Feuilletongelaber und bildet sich dabei ein, er würfe Perlen vor die Säue. Dabei ist es doch nur zu Sprachkugeln getrocknete Kuhscheiße. Am schlimmsten stinkt es, wenn diese aufgeschnappte Modesülze mit der von gestern zusammengerührt wird zum "postfaktischen Paradigmenwechsel".
 
Leute, denkt doch mal ein bißchen selber nach und, vor allem, sprecht eure eigene Sprache. Und klärt vor allem erst mal, wessen Fakten das sind, die in der sogenannten postfaktischen Ära angeblich ignoriert werden, und welchen Wahrheitsgehalt diese haben. Als hätten nicht schon immer Faktenverkäufer ihre Fakten in Wahrheitspapier mit den kümmerlichen Beinamen objektiv und absolut eingewickelt, bevor sie sie auf den Markt geworfen haben. Und wer nicht daran geglaubt hat, der galt als Traumtänzer. Gilt er heute immer noch. Nur heißt der Tanz heute anders.
 
Wenn schon postfaktisch, dann so: Wer die Tatsache ignoriert, daß die wenigen immer reicher werden und die vielen immer ärmer, und ungehemmt weiter an Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Wachstum mit Wohlstand für alle glaubt oder vorgibt zu glauben, der ist tatsächlich einem postfaktischen Wahn verfallen. Leider wird der Begriff so nicht gebraucht. Das "Postfaktische" ist vielmehr ein Kampfwort aus der Lügenküche der Vertreter der Alternativlosigkeit.

Und nun nehme ich dieses Dummwort nicht mehr in den Mund.

11.11.2016 um 09:13 Uhr

So long Leonard

von: Lyriost

So long Leonard

Stimmen verstummen
verklingen im Beweinen
Stunde für Stunde

die groben und die feinen
die deinen wie die meinen

10.11.2016 um 13:15 Uhr

Wintersprache

von: Lyriost

Wintersprache

Die Flocken fallen
versinken im weißen Brei 
wie müde Wörter

in noch müderen Sätzen
resignierend untergehn

09.11.2016 um 18:13 Uhr

Insignienverschiebung

von: Lyriost

Insignienverschiebung

Nun hat man in Europa einen neuen Teufel entdeckt. Wladimir Putin muß den Dreizack abgeben, denn Donald Trump hat eindeutig die größeren Hörner. Ob er auch den größeren Schwanz hat, wird man noch erfahren.

04.11.2016 um 20:11 Uhr

Erdkunde

von: Lyriost

Erdkunde

Wo du auch gräbst
verdorbene Rippen
Blutgerinnsel

aus Erde gewachsen
in Erde versunken
eingeschenkt und
ausgeschüttelt

entzeitete
Gräber

die Erde spricht
eine dunkle Sprache

zeitlos und 
klar

27.10.2016 um 12:52 Uhr

Rückschritt

von: Lyriost

Rückschritt

Weil das Gras nicht
grau genug ist
oder zu grün 
düngt man es
mit teurem
Beton
und billigen
Sprüchen

so wächst
der Wahn

26.10.2016 um 17:24 Uhr

Wertverlust

von: Lyriost

Wertverlust

Ein Mensch in Zivil
verliert beträchtlich an Wert
fern von Aleppo

wenn er ganz leise entkommt
wenn er die Gegend verläßt
wird er heimlich baden gehn

dann im Mittelmeer
ganz ohne Bomben

26.10.2016 um 10:18 Uhr

Alterssicherungsbericht

von: Lyriost

Alterssicherungsbericht

Die Verrücktheit des Tages: Die Bundesregierung warnt vor Altersarmut, statt etwas dagen zu tun. Es heißt, besonders Geringverdiener müßten zusätzlich vorsorgen. Sollen die schon einmal prophylaktisch vorhungern? Oder besser ihre SUVs verkaufen und nicht mehr dreimal im Jahr in die Karibik fliegen? Das ist so, als würde man einem Zuckerkranken empfehlen, sparsam mit Insulin umzugehen, damit er morgen auch noch was hat. 

24.10.2016 um 15:58 Uhr

Offener Brief

von: Lyriost   Stichwörter: Stadthotel, Brilon, Bürgermeister, Bartsch

 
 
 
Offener Brief

Sehr geehrter Herr Dr. Bartsch,
wie Sie wissen, ist dies nicht der erste Brief, den ich Ihnen in Sachen „Stadthotel“ schreibe, und da ich von Ihnen bisher keine schriftliche Antwort auf meine Schreiben bekommen habe, betrachte ich den heutigen Brief als einen offenen. Sie selbst halten sich ja mit offenen Bekenntnissen („Klares Votum für das Hotel“, „ohne Wenn und Aber für Neubau“ oder auch „Stadthotel Brilon, davon profitieren alle!) nicht etwa zurück, sondern rühren in einer Mischung aus Baumarktreklame und Realsatire 
(brilon-totallokal) fleißig und „unmissverständlich“ die Werbetrommel für den Investor/die Investorin.

Zur Geschichte: Als ich im Jahre 2011 nach vierzig Jahren Großstadtleben wohlüberlegt, wie mir schien, die grüne Stadt Berlin verließ, um mein Elternhaus in Brilon zu übernehmen, statt es, wie viele erwartet hatten, zu verkaufen, ahnte ich noch nicht, dass mein Garten hinter dem Haus zukünftig nicht mehr, wie bisher, an andere Gärten angrenzen würde, sondern an Gewerbegebiet. So die Planung. Wie hätte ich auch ahnen können, dass man in Brilon aus den Bausünden der sechziger/siebziger Jahre nichts gelernt hat.

Nun bin ich also hier, habe das Haus mit (für mich) viel Geld auf Vordermann gebracht und hatte die Absicht, in meinem großzügigen Arbeitszimmer mit Gartenblick ruhig meine beruflichen Aufgaben zu erfüllen und nach Feierabend im eigenen Grün zu entspannen und dem Vogelgezwitscher zuzuhören und den Bäumen beim Rauschen. Und nun erfahre ich, dass laut Planung demnächst nicht mehr Vogelgezwitscher zu hören sein wird, sondern Staubsaugergedröhn und spätnächtliches bzw. frühmorgendliches Lieferantenscheppern, Brummen der diversen Lüftungsanlagen und möglicherweise noch das Geklappere einer Restaurantküche. Als würde es nicht reichen, dass vor dem Haus durch die enge Obere Mauer ein Großteil des Briloner Verkehrs durchgeleitet wird, so dass man kaum ein Fenster zum Lüften öffnen kann – von erholsamem Schlaf ganz zu schweigen.

Normales Leben, wo man am Gartenzaun mit den Nachbarn plaudert, scheint mir in der Briloner Innenstadt selten geworden zu sein, so selten wie die Stadtgärten, denn sobald irgendwo ein Haus abgerissen wird, dem früher meistens ein Garten angegliedert war, entsteht nicht nur auf der Fläche des Hauses etwas Neues, nämlich ein Parkplatz, sondern der Garten geht mit drauf.
 
So auch hier: Das Erste, was der Investor mit den erworbenen Grundstücken getan hat, noch bevor der Abriss der Häuser begann: Er ließ alle vorhandenen Bäume und Sträucher beseitigen. Anschließend wurden die Häuser ohne Ankündigung von Seiten des Abbruchunternehmens und auch von Seiten der Stadt (es gab doch sicher eine Abbruchgenehmigung) trotz starker Staubentwicklung ohne einen Tropfen Wasser abgerissen. Dabei wurde mein Haus beschädigt und der Schaden trotz eindeutiger Zusage bis heute nicht beseitigt. Das erwähne ich nur, weil auch dadurch die Rücksichtslosigkeit des Investors deutlich wird, der im Bauausschuss und auch anläßlich der Bürgerversammlung als eine Art Wohltäter der Stadt Brilon gefeiert wird. Im Bauausschuss fiel für dessen Verhalten gar das Wort „sensationell“. Dass die Anwohner das Ganze möglicherweise weniger euphorisch bewerten, interessierte im Bauausschuss nicht weiter.

Nun soll allen Ernstes dort, wo früher kleine Häuser mit Gärten gestanden haben, ohne Rücksicht auf Verluste eine völlig überdimensionierte Klamotte von Hotel hingeklotzt werden, die sich nicht nur nicht in die Umgebung einfügt, sondern der Gegend als Wohngegend den Rest gibt. Und wozu das Ganze? Weil in Brilon angeblich Hotelbetten fehlen, vor allem, wie im Bauausschuss und in der Bürgerversammlung zu hören war, „wenn mal ein ganzer Bus Gäste untergebracht werden soll“. Das Hauptargument für ein Hotel dieser Größe! Interessanterweise wurde beinahe im gleichen Atemzug auf den Einwand eines Anwohners bezüglich der Verkehrssituation gesagt: „Nach Aussage des Investors kommt ja kein Bus.“ So beginnen Schildbürgerstreiche: mit solchen die Vernunft beleidigenden Paralogismen.

Inzwischen ist, nachdem die Planung verschlimmbessert wurde, die Baugenehmigung erteilt, und Sie tun in der Öffentlichkeit so, als wäre dabei alles mit rechten Dingen zugegangen. Wer sich die Pläne genauer anschaut, dem schießen Assoziationen eines Schulzentrums oder eines Krankenhauses ins Bewusstsein, oder man denkt, wenn man sich die Fenster mit Gitterstäben versehen vorstellt … vielleicht ein moderner Gefängnisbau?  

Nach Ihrer Aussage jedoch wird sich das „Gebäude derart einfügen in die Umgebungsbebauung, dass es für alle verträglich ist“. Also so ähnlich wie etwa die große Briloner Touristenattraktion, das Sparkassengebäude am Marktplatz. 

Sie sagen leerformelhaft: „Bedenken sind natürlich ernst zu nehmen“, ohne ein weiteres Wort über diese Bedenken zu verlieren. Stattdessen lange Rede des Herrn Dülme über angebliche Vorteile: … „viele Gäste, die in Brilon ihr Geld ausgeben … Arbeitsplätze … heimische Wirtschaft profitiert … Gastronomie, Einzelhandel, Dienstleister“. Niedergang der kleineren Hotels. Ach nein, das sagen Sie nicht: „Davon profitieren alle!“ Ach ja? Und die Anwohner, die sich überaus zahlreich in einer Unterschriftenliste gegen das Projekt in dieser überdimensionierten Form ausgesprochen hatten? 
Die übliche Definition von „alle“ scheint in Brilon etwas vom semantisch Korrekten abzuweichen und die nicht direkt wirtschaftlich Interessierten auszuschließen. Als die „alten Buden“, wie der Investor die Wohnhäuser nennt, abgerissen wurden, waren die Mieter, die dort teilweise jahrzehntelang gewohnt hatten, natürlich nicht mehr drin, sondern vorher vertrieben worden. Das war der erste Teil von „alle“. Halten wir fest: Preiswerter Wohnraum wurde vernichtet. Die vor die Tür gesetzten Mieter waren die Ersten, die nicht profitiert haben. 

Nun sagen Sie, Herr Dr. Bartsch, bei Ihrem Votum für das Hotel drohend: „Wenn dort kein Hotel hinkommt, dann etwas anderes. Und das werden sicher keine Einfamilienhäuser sein.“ Das wäre auch zu absonderlich, geradezu komisch: Wohnhäuser in einem Wohngebiet. Wie unpassend. Vielleicht Flüchtlingsunterkünfte?

Sie, Herr Bürgermeister, nehmen die „Bedenken der Anwohner“ so „ernst“, dass Sie polemisch formulieren: „In der Innenstadt zu wohnen und ohne Verkehr auszukommen, widerspricht sich in der heutigen Zeit.“ Mal abgesehen davon, ob sich das tatsächlich widerspricht und die Innenstadt ohne Autoverkehr nicht vielmehr die Realität der morgigen Zeit sein wird, es geht hier nicht darum, „ohne Verkehr“ auszukommen, sondern durch vernünftige Planung zu verhindern, dass sich die bereits jetzt unerträgliche Verkehrssituation mit täglich Tausenden von Fahrzeugen besonders in der Oberen Mauer noch weiter verschärft.

Ach ja, dass die Stadtverwaltung das Ganze auch als Prestigeobjekt „im Hinblick auf die Internationalen Hansetage“ betrachtet, ist klar. Klar ist aber auch, was aus solchen Objekten häufig wird, wenn die besonderen Tage vorbei sind, wie man beispielhaft bei diversen Olympischen Spielen sehen kann. Vieles kommt herunter, weil für den Alltagsgebrauch zu groß geplant.
 
 
 
stadthotel brilon 
 
(Ausnahmsweise in neuer Rechtschreibung.)
 
 
 

Bürgermeister steht hinter Hotelprojekt

Hotelinvestor legt los

Ansichten  

 

 

23.10.2016 um 16:05 Uhr

Buchmesse

von: Lyriost

Buchmesse

Heute wollte ich mich ein wenig über die Buchmesse, neue Bücher informieren, eine Sendung im Rundfunk schien da gerade recht zu kommen; aber als innerhalb von zwei Minuten jemand den Begriff "Issues" in die Runde warf, als ob wir sonst keine Probleme hätten, von heliumesken Stimmen sprach und anschließend berichtete, er sei mehr "auf der rezeptiven Ebene unterwegs", habe ich schnell entnervt abgeschaltet. Solches Gelaber ist neben der zunehmenden Vorstellung von Medienpromi-Banalliteratur der Grund, weshalb ich der Buchmesse seit Jahren fernbleibe.

21.10.2016 um 14:30 Uhr

Mohrenkopf oder Amerikaner?

von: Lyriost

Mohrenkopf oder Amerikaner?

Heute esse ich Nudeln mit Zigeunersauce und zum Nachtisch wahrscheinlich einen Mohrenkopf. Oder vielleicht besser einen Amerikaner?

07.10.2016 um 22:39 Uhr

Ausflüsse

von: Lyriost

Ausflüsse

In letzter Zeit liest man öfter, gerade in Verbindung mit allerlei Anti-Füchtlings-Geschwätz, in einer Demokratie müsse man andere Meinungen akzeptieren. Ich weiß nicht, wie diejenigen, die dieser Meinung sind, darauf kommen. Als Meinung verkleidetes Stammtischgesülze und parfümierten und unparfümierten Rassismus muß ich nicht haben, das darf gern bei seinen Wirten bleiben, denn obgleich ich die zivilisatorische Errungenschaft Kläranlage begrüße, möchte ich sie dann doch nicht ausgerechnet in meinem Lebensumfeld dulden müssen und schon gar nicht akzeptieren. Genau, weil es hier dann unangenehm röche. 

12.09.2016 um 09:31 Uhr

Latrinenpoesie

von: Lyriost

Latrinenpoesie

Schon flattern wieder
völkische Beobachter
Petryfizierung

hängt in deutschen Latrinen
schmierig braunes Klopapier

28.07.2016 um 15:04 Uhr

Generelle Leitlinie

von: Lyriost

Generelle Leitlinie

Blindgläubig sein ist in, scheint mir jedoch keine vertretbare Glaubenshypothese zu sein. Besser sehend ungläubig als blind dummgläubig. 

20.07.2016 um 17:20 Uhr

Immer derselbe Alp

von: Lyriost

Immer derselbe Alp

Die ätzenden Chiffren 
im Nacken der Zeit 
die nüchternen Stiefel
besudeln mechanisch 
das schlohweiße Kleid.

Die Ruhe ist tückisch 
ein wandloser Bau  
mit zittrigen Säulen   
umflattert von Eulen  
verwittert im Tau.

Und Narben mit Körpern
aus Blut und Zement
die emsigen Krüppel 
verbrennen marschierend 
ihr Testament.

19.07.2016 um 12:51 Uhr

Demokratie

von: Lyriost

Demokratie

Nur mal zur Erinnerung: Demokratie heißt nicht, daß dann, wenn die Bevölkerungsmehrheit, häufig der tumbe Teil der Leute, einen gefährlichen Idioten gewählt hat, der zukünftig allein das Sagen haben kann auch darüber, wer seine Meinung äußern darf und ob und wo, und der unterlegene Teil der Leute hat die Klappe zu halten, weil Demokratie bedeute, daß die Mehrheit entscheide. Einmal wählen alle vier, fünf Jahre reiche. Das ist keine Demokratie, sondern nur Diktatur mit Wahlen. Das endet irgendwann bei 99 Prozent. Kennt man.  

17.07.2016 um 15:23 Uhr

Reihenfolge

von: Lyriost

Reihenfolge

Nach dem Pütschchen kommt der Putsch. Wer das wohl geplant hat.